HIC for FAIR

Höchstgeschwindigkeits-Datennetz „FAIR Tera Net“ eingeweiht

„FAIR-Tera-Net“ in Betrieb: Beim symbolischen Knopfdruck: (v.l.) Prof. Volker Lindenstruth, Staatssekretär Ingmar Jung, Prof. Werner Müller-Esterl, Prof. Hans Jürgen Lüdde.

Frankfurt, August 2012

 Ein wesentlicher Baustein zur Anbindung der hessischen Universitäten und des Supercomputers LOEWE-CSC an das künftige internationale Beschleunigerzentrum FAIR (Facility for Antiproton and Ion Research), die erste Ausbaustufe des „FAIR Tera Net“, ist in Betrieb genommen worden.

Bei einer kleinen Feierstunde am Standort von LOEWE-CSC drückten der Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, Ingmar Jung und der Präsident der Goethe-Universität, Prof. Werner Müller-Esterl gemeinsam den symbolischen roten Knopf, zusammen mit dem Leiter des Center for Scientific Computing (CSC), Prof. Hans Jürgen Lüdde und LOEWE-CSC-Entwickler Prof. Volker Lindenstruth. Das Datennetz verbindet über eine Strecke von rund 100 Kilometern in der ersten Ausbaustufe die Computer des GSI Helmholtzzentrums für Schwerionenforschung in Darmstadt, in dessen Nachbarschaft FAIR entsteht, mit der Goethe-Universität und mit dem in Frankfurt-Höchst stehenden Höchstleistungsrechner LOEWE-CSC – mit einer Zwischenstation beim weltweit größten Internetknoten in Frankfurt.

„FAIR-Tera Net“ schafft ein Datennetz des entstehenden Beschleunigerzentrums FAIR mit den anderen Hochleistungsrechnern und Forschungsinstituten in Hessen. Es verknüpft die Hochschulen und die Forschungszentren im Rhein-Main-Gebiet mit direktem Zugriff auf die gespeicherten und bei FAIR-Experimenten erzeugten Daten. Über das „Fair Tera Net“ können die Supercomputer sich gegenseitig in ihrer Arbeit unterstützen.

Die Übertragungsgeschwindigkeit wird in der Pilotphase 120 Gigabit pro Sekunde betragen, später soll sie auf mindestens 1 Terabit pro Sekunde fast verzehnfacht werden (dies entspricht der Übertragung einer großen PC-Festplatte in sechs Sekunden). Bereits jetzt ermöglicht das „FAIR Tera Net“, dass LOEWE-CSC Berechnungen für physikalische Experimente am Europäischen Kernforschungszentrum CERN in Genf übernimmt, mit dem das GSI-Helmholtzzentrum direkt verbunden ist. Im Jahr 2014 soll für FAIR in Darmstadt das GSI-Rechenzentrum „Green Cube“ in Betrieb gehen und damit weitere Supercomputerkapazität für die Forschung bereitstellen. Das „FAIR Tera Net“ wurde vom GSI-Helmholtzzentrum und vom Helmholtz International Center for FAIR (HIC for FAIR) gemeinsam realisiert und ist Teil der hessischen Landes-Offensive zur Entwicklung Wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz (LOEWE).

In der Feierstunde wurde auch dem Frankfurter Höchstleistungscomputer LOEWE-CSC der Titel „Ausgewählter Ort“ durch die Standortinitiative „Land der Ideen“ verliehen. Die Standortinitiative zeichnet in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bank Projekte aus, die einen besonderen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit Deutschlands leisten. LOEWE-CSC wurde als einer der ersten CO2-neutralen Supercomputer weltweit ausgezeichnet, da er nicht nur besonders schnell und energiesparend arbeitet, sondern auch vollständig mit Strom aus regenerativen Energiequellen betrieben wird. LOEWE-CSC, vor fast zwei Jahren in Betrieb genommen, ist derzeit der fünftschnellste Computer in Deutschland.

Kontakt

Prof. Volker Lindenstruth
Leitung GSI-IT
Frankfurt Institute for Advanced Studies (FIAS)
Ruth-Moufang-Str. 1
60438 Frankfurt am Main
Tel. 069-798 44100
Fax. 069-798 44109
E-Mail v.lindenstruth[at]gsi[dot]de

Fünf Millionen Euro für Gießener Hadronenphysiker

Das geplante Forschungszentrum FAIR „Facility for Antiproton Ion Research“) auf dem Gelände des GSI Helmholtzzentrums bei Darmstadt.

Gießen, 5. Juli 2012

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bewilligt Projekte zur Erforschung des Aufbaus der Materie an der Universität Gießen

Welche Kräfte wirken im Innersten der Materie? Was geschah kurz nach dem Urknall des Universums? Wie sind die verschiedenen chemischen Elemente entstanden? In der Kern- und Teilchenphysik sind diese Fragen zu den Grundlagen unseres physikalischen Weltbildes eng miteinander verknüpft. Ihre Erforschung erfordert eine besonders enge Zusammenarbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der theoretischen und experimentellen Physik. Zehn Forschergruppen der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) werden dafür in den kommenden drei Jahren vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit über fünf Millionen Euro gefördert. Darin enthalten ist auch eine Programmpauschale von zwanzig Prozent, die der JLU direkt zugute kommen wird.

Die wissenschaftlichen Projekte unter der Federführung von Prof. Dr. Kai Brinkmann, Prof. Dr. Michael Düren, Prof. Dr. Claudia Höhne, Prof. Dr. Wolfgang Kühn, Prof. Dr. Christoph Scheidenberger, Dr. Rainer Novotny und der Helmholtz-Nachwuchsgruppenleiterin Dr. Iris Dillmann (alle II. Physikalisches Institut) sowie Prof. Dr. Wolfgang Cassing, Prof. Dr. Christian Fischer und Prof. Dr. Horst Lenske (alle Institut für Theoretische Physik) decken dabei die ganze Bandbreite der Kern- und Teilchenphysik ab.

Die Gießener Gruppen spielen eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung der geplanten Experimente PANDA, CBM und NUSTAR an der zukünftigen Anlage FAIR („International Facility for Antiproton and Ion Research“) in Darmstadt und sind am Betrieb und der Auswertung der momentan laufenden Experimente am Elektronenbeschleuniger ELSA in Bonn, ATLAS am Large Hadron Collider des Forschungszentrums CERN in Genf (Schweiz), BELLE in Tsukuba (Japan) und BESIII in Beijing (China) beteiligt. Im ATLAS-Experiment wurde kürzlich ein sehr guter Kandidat für das Higgs-Boson, dem letzten noch fehlenden Baustein im Standardmodell der Teilchenphysik, entdeckt.

FAIR, das einen Schwerpunkt der Ausschreibung des BMBF bildete, wird mit einem Finanzvolumen von über einer Milliarde Euro seit Herbst vergangenen Jahres direkt neben dem GSI Helmholtzzentrum in Darmstadt errichtet und wird voraussichtlich im Jahr 2018 für erste Experimente zur Verfügung stehen. Getragen wird dieses international einzigartige Projekt durch 14 Länder, die am 4. Oktober 2010 in Wiesbaden die internationale FAIR-Konvention unterzeichnet haben.

FAIR erlaubt die Untersuchung eines sehr breiten Spektrums physikalischer Fragestellungen, das von der Grundlagenforschung der Physik der Bausteine der Materie über die Beschleunigerphysik bis zu Anwendungen in der Biologie, Chemie und Medizin reicht. Um diese Möglichkeiten voll auszuschöpfen werden in den vom BMBF geförderten Projekten neuartige theoretische Konzepte, komplexe numerische Methoden sowie innovative Detektor- und Beschleunigertechniken entwickelt. Komplementiert werden diese Anstrengungen durch die Aktivitäten des LOEWE-Zentrums HIC for FAIR, in dem die Gießener Physiker zusammen mit ihren Kollegen aus Darmstadt und Frankfurt vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert werden. Von zentraler Bedeutung für die Forschergruppen der Physik an der JLU ist dabei die Untersuchung exotischer Formen und Phasen der elementaren Bausteine der Materie sowie die Erzeugung von noch unbekannten Teilchen in Experimenten mit hochenergetischen Protonen, Antiprotonen und schweren Ionen.

Kontakt

Prof. Dr. Christian Fischer
Institut für Theoretische Physik
Heinrich-Buff-Ring 16, 35392 Gießen
Telefon: 0641 99-33347
E-Mail: christian.fischer[at]theo.physik.uni-giessen[dot]de

Die 1607 gegründete Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) ist eine traditionsreiche Forschungsuniversität, die rund 25.000 Studierende anzieht. Neben einem breiten Lehrangebot – von den klassischen Naturwissenschaften über Rechts- und Wirtschaftswissenschaften, Gesellschafts- und Erziehungswissenschaften bis hin zu Sprach- und Kulturwissen­schaften – bietet sie ein lebenswissenschaftliches Fächerspektrum, das nicht nur in Hessen einmalig ist: Human- und Veterinärmedizin, Agrar-, Umwelt- und Ernährungswissenschaften sowie Lebensmittelchemie. Unter den großen Persönlichkeiten, die an der JLU geforscht und gelehrt haben, befindet sich eine Reihe von Nobelpreisträgern, unter anderem Wilhelm Conrad Röntgen (Nobelpreis für Physik 1901) und Wangari Maathai (Friedensnobelpreis 2004). Seit 2006 wird die JLU sowohl in der ersten als auch in der zweiten Förderlinie der Exzellenzinitiative gefördert (Excellence Cluster Cardio-Pulmonary System – ECCPS; International Graduate Centre for the Study of Culture – GCSC).

Siehe auch: Spiegel der Forschung Nr 1/2012 (Giessener Elektronische Bibliothek)